Pferdekauf
Tipps zum Pferdekauf

Pferdekauf – so bekommt man das Traumpferd!

Es ist nicht nur der Traum kleiner Mädchen – ein eigenes Pferd zu besitzen ist etwas ganz Besonderes. Ein verlässlicher Partner in Freizeit und Sport. Ein Freund, der Emotionen spürt und reagiert. Ein Lebewesen, das Vertrauen sucht und gibt. Kaum ein Kauf, der nicht emotional begleitet wird.

Doch gerade hier liegt auch die Gefahr beim Pferdekauf. Wer sich von seinen Gefühlen zu einem Pferd übermannen lässt, verliert schnell den sachlichen Blick auf mögliche Mängel. Ein Spontankauf mag im Schuhgeschäft ohne Folgen bleiben, bei einem Pferdekauf kann er den neuen Besitzer bis zum finanziellen Ruin treiben. Doch malen wir den Teufel nicht an die Wand: ein überlegter und gut geplanter Pferdekauf schützt vor manch böser Überraschung.

Das liebe Geld

Eine ehrliche Beurteilung der finanziellen Leistungsfähigkeit ist die Grundlage für einen unbeschwerten Pferdekauf. Der Anschaffungspreis des Tieres ist dabei nicht einmal die ausschlaggebende Größe. Auf Plattformen wie Ehorses.de sind bereits reitbare Ponys und Pferde ab 500 Euro zu bekommen, ein Preis auf den man hinsparen kann. Doch Unterbringung und Unterhalt schlagen monatlich deftig zu Buche. Denn nicht jeder hat das Glück, einen günstigen Stellplatz beim Bauern zu ergattern. Je mehr Komfort das Domizil bieten soll, desto tiefer dürfen Sie in die Tasche greifen. Dazu kommt noch ein Aufschlag für den Standort des neuen Pferdeheimes. Im städtischen Bereich liegen die Preise für einen Platz auch bei relativ geringer Dienstleistung gerne bei 500 Euro und mehr. Wer sich eher ländlich orientiert, kann mehrere hundert Euro sparen – muss dafür aber eventuell Fahrtzeit und Spritgeld in Kauf nehmen.

Durchschnittlich alle sechs bis acht Wochen klopft der Hufschmied an. Jährlich muss geimpft werden. Wurmkuren, eventuelles Spezialfutter, hin und wieder ein kleines bis größeres Wehwehchen und entsprechende Versicherungen lassen die Kosten für ein Pferd in die Höhe schnellen.

Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Preise der regionalen Anbieter. Berechnen Sie anschließend den Worst Case-Fall und stellen diesen ins Verhältnis zu ihrem monatlichen Einkommen. Können Sie Ihren laufenden Verpflichtungen dann immer noch nachkommen? Wenn ja, geht es an Schritt zwei. Wenn nicht, sollten Sie die Finger vom Pferdekauf lassen, bis sich Ihre Einkommenssituation geändert hat.
kinderliebe Pferde
Pferde, die problemlos von Kindern geritten werden

Wofür und wohin

Welche Vorstellung haben Sie von dem täglichen Umgang mit Ihrem Vierbeiner?
Sehen Sie sich eher bei langen Ausritten auf schönen Waldwegen oder streben Sie eine Turnierkarriere an?

Entsprechend dieser Vorstellungen können Sie das Rasseprofil Ihres künftigen Begleiters eingrenzen. Die Eigenschaften der Rasse können zwar von Pferd zu Pferd variieren, die Grundeinstellung und der Körperbau des Tieres hängen aber unmittelbar mit den Zuchtzielen der Rassen zusammen. Je nach Ausprägung dieser Merkmale, der bereits erfolgten Ausbildung und natürlich auch nach Optik und Wesen richtet sich der Preis des Tieres.

Doch die zukünftig angestrebte Verwendung bestimmt nicht nur die Rasse, sondern auch die Unterbringung. Wenn Sie Ihr Pferd für den Turniersport trainieren möchten, hilft die preisgünstige Unterbringung in der netten Stallgemeinschaft meist nicht weiter. Die entsprechenden Trainigsmöglichkeiten sollten vor Ort integriert oder in angrenzender Nähe vorhanden sein. Tägliche Ausfahrten mit dem Pferdehänger machen den Sport nicht nur teuer, sondern extrem zeitaufwändig. Hingegen fühlen sich auch Freizeitreiter wohl, wenn Ihnen bei Novemberwetter eine Reithalle zur Verfügung steht.

Wichtiger ist aber die Unterbringung des Pferdes. Sowohl Stall als auch Auslauf sollten keine Gelegenheiten zum Ausbruch oder für Verletzungen bieten. Dazu muss eine Versorgung mit bestem Futter sichergestellt sein. Achten Sie darauf, wer den Betrieb führt. Ohne der Bauernschaft zu Nahe treten zu wollen, gibt es leider hier oft Missverständnisse im Umgang mit dem Tier. Nicht selten kommt es zu Fütterungsschwierigkeiten, wenn die Futterrationen und Zusammensetzungen aus der Milchwirtschaft auf das Pferd übertragen werden. Ein günstiger Stellplatz beim Bauern kann so zur Kostenfalle werden.

Pferdestellplatz
Achten Sie auf Kosten für den Stellplatz Ihres Pferdes!
Blind Date - das erste Kennenlernen
Sind alle Fragen im Vorwege geklärt und die ersten möglichen Partner gefunden, kommt der Vorstellungstermin. Bereits bei der Anfahrt können Sie sich ein Bild der Haltungsbedingungen machen.
Pferdehaltung
Wie sieht die Pferdehaltung aus?
  1. Welchen Eindruck macht der Hof?
  2. Wie werden die Pferde hier gehalten und macht der Herdenverband einen gesunden Eindruck?
  3. Lassen Sie sich Ihr potentielles Tier von der Weide bis zum Reiten vorführen und legen Sie vor allem selbst mit Hand an. Lässt sich das Pferd leicht von der Weide führen oder klebt es an den anderen Tieren?
  4. Wie verhält es sich beim Putzen und Satteln? Hier lässt sich bereits absehen, ob die Harmonie zwischen Pferd und Besitzer stimmt oder ob Unarten an der Tagesordnung sind. Fragen Sie sich ehrlich, ob es tolerier- bzw abtrainierbare Unarten handelt oder ob sie bereits eine Gefährdung für den Reiter darstellen.
  5. Beachten Sie den Pflege- und Gesundheitszustand des Pferdes?
  6. Macht das Pferd alle Bewegungen beim Hufegeben willig mit?
  7. Hat das Fell einen natürlichen Glanz, ist es stumpf oder weist es gar Scheuerstellen auf?

Gerade im Winter ist es für das ungeübte Auge schwer Exzeme zuverlässig zu erkennen. Ein vernachlässigter Wurmbefall kann sich nicht nur an einem mangelhaften Ernährungszustand zeigen. Auch ein aufgescheuerte Schweifrübe oder Kruppe können ein Warnzeichen sein. Achten Sie auf eventuell geschwollene Gelenke und die Beschaffenheit der Hufe. Sie sollten gut geformt, rissfrei und eben sein. Der Strahl sollte gepflegt, elastisch und trocken erscheinen. Anhand der Kieferstellung kann das Alter des Pferdes ungefähr bestimmt werden. Je älter das Pferd ist, desto weiter vorne stehen die Zähne aufeinander. Profis können anhand der Schneidezähne das Alter bestimmen. Unerfahrene sollten sich da auf das Urteil des Tierarztes verlassen.

Pferd an der Lounge
Lassen Sie das Pferd an der Longe laufen
Und nun die Show:
Bevor Sie selbst in den Sattel steigen, lassen Sie sich das Pferd unter dem Sattel vorführen.
  1. Ist schon das Aufsteigen ein bemerkenswertes Akrobatikspektakel oder steht das Pferd gehorsam still?
  2. Zeigt es Anzeichen von Schmerzen oder Angst, wie zum Beispiel weit aufgerissene Augen oder vermehrtes Schnauben?
  3. Lassen Sie sich das Pferd in allen Gangarten, soweit ausgebildet, vorführen.
  4. Fühlen Sie dem Besitzer auf den Zahn: Warum will er das Pferd eigentlich verkaufen? Aus Zeitmangel? Entspricht es nicht seinen Ambitionen? Erst dann steigen Sie selbst auf.
  5. Fühlt sich Ihr Zusammenspiel harmonisch an?
  6. Können Sie auch im Trab und Galopp gut auf dem Pferd sitzen?
  7. Lässt es sich dem angeblichen Ausbildungsstand entsprechend reiten?
  8. Passt das Pferd zu Ihren Körpermaßen?

Fehlt Ihnen in dieser Hinsicht die Erfahrung, lassen Sie sich auf jedem Fall von einem versierten Reitlehrer begleiten, der das Pferd eventuell selbst testet. Es ist ohnehin ratsam nicht, ohne professionelle Unterstützung an den Pferdekauf heranzugehen.

Pferdebesitzerin
Frische Pferdebesitzerin mit Ihrem Traumpferd

Recht haben und Recht bekommen

Sie haben sich nun für einen neuen Partner entschieden. Eventuell wurde ein Tierarzt konsultiert um Gesundheitsrisiken und Beeinträchtigungen des Pferdes auszuschließen. Nun müssen Sie sich noch mit dem Verkäufer einig werden. Doch beachten Sie: steht Ihnen auch tatsächlich der Verkäufer gegenüber. Tritt ein Händler nur als Mittelsmann auf, dann ist der ehemalige Besitzer der Vertragspartner. Handelt es sich hierbei um eine Privatperson, kommt nicht das Verbrauchsgüterkaufrecht zum Tragen und damit der Haftungsausschluss für Privatverkäufe.

Umgekehrt gibt es leider auch unter den unternehmerisch tätigen Pferdehändler schwarze Schafe, die einen privaten Verkäufer vorschieben um den Haftungsregeln des Verbrauchsgüterkaufrechts zu entgehen. Der Kaufvertrag selbst bedarf keiner Form, die Parteien müssen sich nur einig sein. Es empfiehlt sich aber in jedem Fall die Schriftform. Die Gewährsmängel halten sich immer noch wacker in der Reiterschaft, doch sind sie diese gewissermaßen überholt. Natürlich sollten Rotz, Dummkoller und Co nicht unbeachtet bleiben. Es zählt aber, auf welche Beschaffenheit sich Käufer und Verkäufer einigen. Wird das Pferd beispielsweise als treues Kinderpony verkauft und stellt sich anschließend als wilder Derwisch dar, so gilt dies als ein Mangel im Sinne des bürgerlichen Gesetzbuches dar. Weitere Beispiele sind zum Beispiel unfruchtbare Hengste, die für die Zucht verkauft wurden oder das Springpferd, was vor jedem Sprung scheut. In diesem Fall kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten.

schwarzes Pferd
Traumpferd in schwarz

Das hört sich alles sehr aufwendig und teilweise auch gruselig an, doch keine Sorge: die wenigsten Pferde werden mit bösen Hintergedanken verkauft. Holen Sie sich Unterstützung und achten Sie auf Ihr Gespür. Denn gerade der Partner Pferd hat einen feinen Sinn für seine Beziehungen zum Menschen. Sollten Sie nun doch nur Ihr Hobby Reiten betreiben wollen, dann haben wir hier einen informativen Artikel für Sie.

Ein eigenes Pferd – Was ist vor dem Kauf zu beachten?

Bilder: Pixabay.com

About Peggy Gallmeister

Besitzerin eines Dackelmädchens, 31 Jahre alt

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