Montag , 16 September 2019
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Was ist eine Kandare?

Sie kennen mit Sicherheit die Redewendung „jemanden an die Kandare nehmen“. Das bedeutet, dass ein Mensch streng beaufsichtigt und zurechtgewiesen wird. Doch was hat diese Redewendung mit dem bekannten Reitsportartikel Kandare zu tun und was ist eine solche Kandare überhaupt?

Aufbau einer Kandare

Entgegen der weit verbreiteten Meinung bezeichnet der Begriff „Kandare“ nicht das komplette Zaumzeug, sondern nur einen speziellen Bestandteil dessen. Vielmehr ist eine Kandare eine Art Gebiss, welches gut geübte Dressurreiter ab Klasse L verwenden können. Eine Kandare besteht hauptsächlich aus einer breiten Stange, die durch das Pferdemaul geführt wird. An dieser Stange befinden sich links und rechts Querstangen, so genannte „Bäume“, die außerhalb des Pferdemauls liegen.
Oberhalb dieser Querschenkel wird die Kandare mit dem Backenstück des Kandarenzaumes verbunden – wie bei einer normalen Trense auch. Unterhalb dieser Querschenkel befinden sich kleine Ringe, an denen die Zügel befestigt werden.
Ein weiterer Bestandteil einer Kandare ist die Kinnkette, die auch durch einen Kinnriemen ersetzt werden kann. Diese Kette wird unterhalb der Kinngrube des Pferdes durchgeführt und oben an den Querschenkeln befestigt. Dadurch entsteht eine Hebelwirkung und es gilt, je fester die Kette angezogen wird, desto stärkere Einwirkung hat der Reiter.
Meistens wird die Kandare mit einer Unterlegtrense kombiniert. Diese Unterlegtrense liegt im Pferdemaul oberhalb der Kandarenstange. An den Ringen der Unterlegtrense befinden sich wiederum Ringe, an denen die zusätzlichen Zügel befestigt werden.

Wirkung einer Kandare

Eine Kandare hat drei verschiedene Wirkungsweisen. Zum einen gewährleistet sie eine Hebelkraft, wenn der Reiter am Zügel zieht. Zum anderen wird der Unterkiefer des Pferdes zwischen Stange und Kinnkette oder Kinnriemen eingequetscht. Außerdem entsteht durch die Hebelwirkung der Kandare ein Zug auf das Genick des Pferdes. Durch diese drei Wirkungsweisen ist für den erfahrenen Reiter eine ganz feine Hilfengebung möglich, da das Pferd auf jede kleine Hilfe unverzüglich reagiert.

Kandarenreife

Die Kandare ist aufgrund ihrer verschärften Einwirkung gefährlicher für das Pferdemaul als alle anderen Gebisse. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass sowohl der Reiter als auch das Pferd erfahren sind. Das heißt, der Reiter muss alle Hilfen (Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen) korrekt geben können und das Pferd muss fein und schnell auf diese Hilfen reagieren. Weiterhin muss eine ständige aber zwanglose Anlehnung zwischen Reiter und Pferd gewährleistet sein. Das ist wichtig, da die Kandare das Pferd aufgrund der Einwirkung zu einer Haltung zwingen kann. Darum wird die Kandare auch leider oft von unerfahrenen Reitern genutzt, die ihr Pferd in einer bestimmten Haltung sehen möchten und dieses mit einer normalen Trense nicht schaffen. Diese Reiter ziehen oft und heftig am Pferdemaul, welches bei dem Pferd große Schmerzen verursacht und sogar zum Unterkieferbruch führen kann.

Zügelführung

Eine Kandare verfügt immer über vier Zügel, die der Reiter führen muss. Bei dieser Zügelführung gibt es hauptsächlich fünf verschiedene Möglichkeiten. Die Zügelhaltung bedingt dabei unterschiedliche Einwirkungen, die der Reiter auf das Pferd hat.
Die Zügelführung, welche die meisten Reiter nutzen, ist die so genannte „Drei-zu-eins-Zügelführung“. Hierbei hält der Reiter den linken Trensenzügel und die beiden Zügel der Kandare in der linken Hand. Der Trensenzügel liegt – wie bei der normalen Trense – zwischen dem kleinen Finger und dem Ringfinger und die Kandarenzügel dementsprechend versetzt: Also zwischen Ring- und Mittelfinger und Mittel- und Zeigefinger.
Die Zügelhaltung von fortgeschrittenen Reitern ist die „In-einer-Faust-Zügelführung“. Wie der Name schon sagt, hat der Reiter hierbei alle Zügel in einer Hand. Diese einhändige Zügelführung wurde früher von den Soldaten genutzt, da diese beim Krieg oder beim Kampf eine Hand frei haben mussten, um ihre Waffe führen zu können.
Außerdem gibt es die „französische Zügelführung“, bei der die Trensenzügel zwischen Daumen und Zeigefinger und die Kandarenzügel unter dem kleinen Finger der jeweiligen Hand geführt werden. Der Vorteil dieser Zügelführung besteht darin, dass der Reiter eine gute Einwirkung auf Unterlegtrense und Kandare hat und beides voneinander getrennt einsetzen kann.
Eine weitere Möglichkeit ist die „geteilte Zügelführung“. Hierbei liegen Trensen- und Kandarenzügel jeweils zusammen in einer Hand. Die Haltung der Zügel ist für den Reiter zwar einfacher, hat aber den Nachteil, dass es keine Unterscheidung zwischen Kandare und Unterlegtrense gibt und eine ebenso exakte Hilfengebung wie bei der „französischen Zügelführung“ nicht möglich ist.
Für sehr erfahrene und geübte Reiter gibt es noch die Zügelhaltung „Kandare blank“. Bei dieser Haltung hängen die beiden Trensenzügel durch und der Reiter nutzt ausschließlich die Zügel der Kandare. Diese Zügelhaltung setzt jedoch eine sehr hohe Ausbildung von Reiter und Pferd voraus.

Eine Kandare nur für erfahrene Reiter

Eine Kandare ist ein Hilfsmittel für den Reiter, damit sein Pferd fein und schnell auf die jeweiligen Hilfen reagiert. Sie ist jedoch nur für wirklich erfahrene Reiter und Pferde empfehlenswert, da der Reiter mit einer Kandare eine so starke Einwirkung auf das Pferdemaul hat, dass jedes ruckartige oder falsche Ziehen an den Zügeln schlimme Verletzungen des Pferdemauls nach sich ziehen kann. Wenn Sie anfangen möchten, mit einer Kandare zu reiten, ist eine Kandare mit einem so genannten S-Hebel eine sinnvolle Anschaffung. Diese Kandare wirkt im Gegensatz zu der Kandare mit C-Hebel weicher im Pferdemaul und ist besonders für Anfänger gut geeignet. Wenn Sie diese Ratschläge beachten, können Sie L-Dressuren, die auf Kandare geritten werden, bald erfolgreich reiten, ohne dass Sie Ihrem Pferd Schmerzen zufügen.

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